Welche Untersuchungshandschuhe sind die richtigen?
Den einen Handschuh für alles gibt es selten. Untersuchungshandschuhe werden danach ausgewählt, was damit gemacht wird, wie lange sie getragen werden und wer sie trägt. Mit den folgenden Kriterien lässt sich der Bedarf einer Station, Praxis oder Wohngruppe gut eingrenzen.
Kriterien für die Auswahl
- Material: Nitril, Latex und Vinyl unterscheiden sich in Dehnbarkeit, Passform und Belastbarkeit. Den ausführlichen Vergleich finden Sie im Beitrag zu Nitril, Latex und Vinyl.
- Allergien: Gibt es im Team oder bei Bewohnerinnen und Patienten eine bekannte Latexallergie, sollten latexfreie Handschuhe verfügbar sein. Bei Kontaktallergien gegen Zusatzstoffe hilft ein Blick ins Datenblatt.
- Tätigkeit und Tragedauer: Für kurze Handgriffe mit geringer Belastung reichen andere Handschuhe als für längere Pflegetätigkeiten oder Arbeiten, bei denen der Handschuh stark gedehnt wird.
- Kontakt mit Chemikalien und Desinfektionsmitteln: Wer mit Flächendesinfektion, Laborreagenzien oder Zytostatika arbeitet, braucht Handschuhe, deren Beständigkeit für genau diese Stoffe geprüft ist. Fragen Sie nach den Prüfdaten des Herstellers.
- Tastempfinden: Bei Untersuchungen, Blutentnahmen oder feinen Handgriffen zählen dünne, eng anliegende Handschuhe mit griffiger Oberfläche.
- Puderfrei: Puderfreie Handschuhe sind heute in Gesundheitseinrichtungen Standard. Puder kann die Haut reizen und bei Latex Allergene in die Raumluft tragen.
- Größe: Ein zu enger Handschuh reißt schneller und ermüdet die Hand, ein zu weiter rutscht und mindert das Gefühl in den Fingerspitzen.
- Norm und Kennzeichnung: Medizinische Untersuchungshandschuhe fallen in der EU unter die Medizinprodukte-Verordnung (EU) 2017/745. Achten Sie auf die CE-Kennzeichnung und auf Angaben zur Normenreihe EN 455. Handschuhe, die zusätzlich als Schutzausrüstung gegen Chemikalien oder Mikroorganismen dienen sollen, werden nach der PSA-Verordnung (EU) 2016/425 und EN ISO 374 geprüft.
In vier Schritten zur passenden Auswahl
- 01
Tätigkeiten erfassen
Listen Sie auf, wofür Handschuhe im Haus gebraucht werden: Grundpflege, Wundversorgung, Blutentnahme, Reinigung, Labor, Essensausgabe. So wird sichtbar, wo besondere Anforderungen bestehen.
- 02
Risiken und Unverträglichkeiten klären
Sprechen Sie mit Hygienefachkraft und Betriebsarzt über Kontakt mit Blut, Körperflüssigkeiten und Chemikalien sowie über bekannte Allergien im Team.
- 03
Material und Größenmix festlegen
Ordnen Sie jeder Tätigkeit ein Material zu und schätzen Sie ab, wie sich die Handgrößen im Team verteilen.
- 04
Muster testen und Unterlagen prüfen
Lassen Sie die Handschuhe von den Menschen testen, die sie täglich tragen. Prüfen Sie parallel Datenblatt, Kennzeichnung und Konformitätserklärung.
Materialempfehlung nach Tätigkeit
Die Übersicht ist eine allgemeine Orientierung. Die Vorgaben Ihres Hygieneplans und die Angaben des Herstellers gehen vor.
| Tätigkeit | Häufige Wahl | Worauf achten |
|---|---|---|
| Grundpflege, Inkontinenzversorgung | Nitril, alternativ Latex | Guter Sitz, ausreichende Länge am Handgelenk |
| Untersuchung, Blutentnahme | Nitril oder Latex | Tastempfinden, dünnes Material |
| Umgang mit Desinfektionsmitteln | Nitril | Geprüfte Beständigkeit gegen das eingesetzte Mittel |
| Labor | Nitril | Prüfung nach EN ISO 374 für die verwendeten Stoffe |
| Kurze Tätigkeiten mit geringer Belastung | Vinyl oder Nitril | Vinyl nur, wo wenig Dehnung und kurze Tragezeit anfallen |
| Mitarbeitende mit Latexallergie | Nitril oder Vinyl | Kein Naturlatex im gesamten Arbeitsbereich |
Häufige Fragen
In der Pflege werden meist puderfreie Nitrilhandschuhe eingesetzt, weil sie latexfrei sind und bei Pflegetätigkeiten gut belastbar bleiben. Latexhandschuhe sind eine Alternative, sofern niemand im Umfeld eine Latexallergie hat.
EN 455 ist die europäische Normenreihe für medizinische Einmalhandschuhe. Sie umfasst Anforderungen an die Dichtheit, die physikalischen Eigenschaften, die biologische Bewertung und die Haltbarkeit.
Nein. Untersuchungshandschuhe sind Medizinprodukte und schützen vor allem Patientinnen und Patienten. Schutzhandschuhe sind persönliche Schutzausrüstung für die Beschäftigten. Viele Einmalhandschuhe sind für beide Zwecke geprüft und entsprechend gekennzeichnet.
Für die meisten pflegerischen und diagnostischen Tätigkeiten reichen unsterile Untersuchungshandschuhe. Sterile Handschuhe sind für aseptische Tätigkeiten vorgesehen. Was im Einzelfall gilt, legt der Hygieneplan Ihrer Einrichtung fest.
Angebot anfragen
Nennen Sie uns Produkt, Menge und Lieferfenster. Wir schicken Ihnen Muster, Datenblätter und transparente Staffelpreise.