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Ratgeber Inkontinenz

Erwachsenenwindeln: Auswahl, Anlegen und typische Fehler

Ob eine Erwachsenenwindel dicht hält, entscheidet sich oft beim Anlegen. Die richtige Produktform und eine passende Saugstärke sind die Grundlage, der korrekte Sitz in der Leiste macht den Unterschied. Die folgenden Hinweise richten sich an Betroffene, Angehörige und Pflegepersonal.

Slip, Pants oder Vorlage

ProduktformAufbauGeeignet für
Slip (Windel mit Klettverschluss)Offenes Produkt, wird mit seitlichen, wiederverschließbaren Verschlüssen geschlossenStarke Inkontinenz, Bettlägerigkeit, Wechsel durch Pflegepersonen
Pants (Windelhose)Geschlossene Hose mit elastischem Bund, wird hochgezogenMobile Menschen, die selbst zur Toilette gehen
VorlageAnatomisch geformte Einlage, wird mit Netz- oder Fixierhose gehaltenLeichte bis mittlere Inkontinenz, auch in Kombination mit Fixierhose

Saugstärke richtig wählen

Hersteller stufen ihre Produkte meist von leicht bis schwer ab, oft mit getrennten Varianten für Tag und Nacht. Die Bezeichnungen sind nicht einheitlich, deshalb lohnt der Blick auf die Angaben des jeweiligen Produkts. Maßstab ist die tatsächlich verlorene Menge zwischen zwei Wechseln, nicht ein Sicherheitszuschlag.

Ein Nässeindikator auf der Außenseite zeigt an, wann das Produkt gesättigt ist. Das hilft, den Wechsel am Bedarf auszurichten.

Slip im Liegen anlegen

Vor dem Anlegen Hände waschen, bei Pflegepersonal Einmalhandschuhe tragen. Den Slip längs falten, ohne die Innenseite zu berühren.

  1. 01

    Zur Seite drehen

    Die Person auf die Seite drehen. Den gefalteten Slip mit dem Rückenteil zum Gesäß zwischen die Beine legen, der Saugkern liegt mittig.

  2. 02

    Ausbreiten

    Das Rückenteil über das Gesäß ausbreiten und die Person zurück auf den Rücken drehen.

  3. 03

    Vorderteil hochführen

    Das Vorderteil zwischen den Beinen nach oben ziehen und glattstreichen. Die Beinbündchen liegen in der Leistenbeuge und sind nach außen aufgestellt.

  4. 04

    Verschließen

    Zuerst die unteren Verschlüsse leicht nach oben gerichtet schließen, dann die oberen leicht nach unten. Der Slip soll eng anliegen, ohne einzuschnüren.

  5. 05

    Kontrollieren

    Mit einem Finger den Sitz an Bund und Leiste prüfen. Falten im Schritt glattziehen.

Anlegen im Stehen

Pants werden wie Unterwäsche angezogen. Am einfachsten geht es im Sitzen, bis die Hose über den Knien ist, dann im Stehen ganz hochziehen. Zum Ausziehen lassen sich die Seitennähte bei den meisten Pants aufreißen.

Einen Slip können mobile Personen auch im Stehen tragen. Dabei den Slip von vorn zwischen die Beine führen, hinten anlegen und die Verschlüsse wie oben beschrieben schließen. Eine zweite Person erleichtert das.

Wechsel und Hautschutz

  • Das Wechselintervall richtet sich nach Menge, Saugstärke und Hautzustand. Der Nässeindikator ist ein guter Anhaltspunkt.
  • Nach Stuhlgang immer sofort wechseln.
  • Haut bei jedem Wechsel ansehen, schonend mit pH-hautneutralen Produkten reinigen und trockentupfen statt reiben.
  • Hautschutzprodukte dünn auftragen. Dicke Schichten können die Aufnahme der Flüssigkeit behindern.
  • Anhaltende Rötungen oder wunde Stellen der Pflegefachkraft oder der Ärztin oder dem Arzt zeigen.

Häufige Fehler

  • Zu große Größe: Das Produkt liegt an Bein und Bund nicht an und läuft aus. Eine Nummer kleiner ist oft dichter.
  • Mehrere Vorlagen übereinander: Die Folie der unteren Lage lässt keine Flüssigkeit durch, dadurch läuft es seitlich aus und die Haut wird feucht und warm.
  • Beinbündchen nach innen geklappt: Dann fehlt der Auslaufschutz an der Leiste.
  • Produkt vor dem Anlegen nicht vorgeformt: Der Saugkern liegt nicht dort, wo er gebraucht wird.
  • Verschlüsse zu straff: Das schnürt ein und drückt auf die Haut.
FAQ

Häufige Fragen

Eine feste Stundenzahl gibt es nicht. Der Wechsel richtet sich nach Urinmenge, Saugstärke und Hautzustand, der Nässeindikator zeigt die Sättigung an. Nach Stuhlgang wird sofort gewechselt.

Meist sitzt das Produkt nicht richtig: zu große Größe, nach innen geklappte Beinbündchen oder ein Saugkern, der nicht mittig liegt. Seltener ist die Saugstärke zu gering.

Davon wird abgeraten. Die wasserdichte Rückseite der unteren Vorlage verhindert, dass Flüssigkeit weitergeleitet wird. Das Ergebnis sind Auslaufen und eine stärkere Belastung der Haut. Wählen Sie stattdessen eine höhere Saugstärke.

In der Regel ein Slip mit Klettverschluss, weil er sich im Liegen anlegen und öffnen lässt. Eine Bettunterlage kann zusätzlich schützen.

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